Fachreferat

Der tägliche Wahnsinn

Am 30. November 2017 lud APPISBERG Führungspersonen, Arbeitgeber der Region und Fachpersonen in Integrationsfragen zu einem Fachreferat mit Dr. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation der kantonalen Psychiatrischen Dienste Baselland, ein.

Grundlage des Referats waren schweizerische Befragungen von Führungspersonen zu ihren Erfahrungen mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden. Die besondere Herausforderung in diesen Führungsaufgaben stand schnell ausser Frage. Wertschätzend wurden die Bemühungen von Führungskräften hervorgehoben und hilfreiche Hinweise für den Umgang mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden gegeben.

Ein Vortrag voller Überraschungen

Überraschend unterhaltsam: die Art der Befragung geschah durch Filmtitel zur Geschichte dieser anspruchsvollen Leitungssituationen. Dazu wurden passende Namen für die schwierigen Mitarbeitenden, für Vorgesetzte, Teams, involvierte Fachstellen oder Ärztevergeben. Überraschend zutreffend: die gewählten Bezeichnungen gaben präzise Hinweise u.a. auf die hohen Kompetenzen der Führungsverantwortlichen. Überraschend aufschlussreich: Es entwickelte sich ein Überblick zu verschiedenen psychischen Erkrankungen mit deren markanten Erscheinungsbildern. Überraschend konkret: die Anregungen zum Umgang mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden waren praxisnah und hilfreich.

Einige Erkenntnisse aus der Studie

  • Der Führungsstil beim Umgang mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden spielt keine wesentliche Rolle.
  • Führungspersonen haben kaum Schulungen zum Umgang mit diesen Personen, nehmen kaum fachliche Hilfe von Experten in Anspruch – und wenn, dann häufig zu spät.
  • In Betrieben gibt es im Vergleich zu Leitlinien bei Alkoholabhängigkeit kaum Leitlinien zum Umgang mit psychischen Erkrankungen.
  • In knapp 80% der abgeschlossenen Geschichten arbeitet der/die Mitarbeiter/in nicht mehr im Betrieb.
  • Es ist ein Dilemma, wenn Führungspersonen einerseits beteuern, wie wichtig es gewesen wäre, wenn Mitarbeitende ihre vorhandenen psychischen Probleme bei der Einstellung benannt hätten. Denn auf der anderen Seite hätten die Arbeitgeber dann diese Personen nicht eingestellt.
  • Die Wahrnehmung von (körperlichen und psychischen) Erkrankungen bei Mitarbeitenden steht in einem eindeutigen Verhältnis zur Erfahrung mit eigenen Erkrankungen.

Anregungen für die Führungspraxis

  • Kompetenzen von Fachkräften wie Ärzten, Psychiatern, Case Managern oder der IV früher in Anspruch nehmen.
  • In der Betriebskultur und Kommunikation einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen pflegen:
    Arbeitgeber stellen Bewerber/innen nicht an, wenn sie psychische Erkrankungen ansprechen würden. Diese potentiellen Mitarbeitenden sprechen darum ihre Erkrankung nicht an. Folgen: Arbeitgeber stellen Mitarbeitende ohne Kenntnis der Erkrankungen ein, was riskanter ist, als wenn die Erkrankung von Beginn bekannt wäre. Mitarbeitende haben eine schwierigere Position bei einer Erkrankung, wenn sie vorher bekannt war und nicht benannt wurde.
  • Beobachtungen früh ansprechen und mit Klarheit Erwartungen benennen.

 

Manches im Referat war für die Teilnehmenden neu, anderes bestätigte die Kenntnisse und Fähigkeiten – für beides lohnte sich der Besuch und der wertvolle Austausch beim Abschluss mit einem Apéro riche.

Das Referat von Dr. Niklas Baer können Sie hier herunterladen:

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